Tag 7

 

Der mürrische Nachbar

Der Frost liegt wie feiner Zucker auf den Dächern, als Emmy an diesem Morgen hinaus in den klaren Dezembertag tritt. Ihr Atem malt kleine Wolken in die Luft, während der Schnee unter ihren Stiefeln knirscht. In ihrer Tasche steckt – wie immer – das Detektivheft und ihr Herz pocht erwartungsvoll. Heute will sie weiterforschen, vielleicht ergibt sich endlich eine neue Spur.

Als sie durch die stillen Straßen läuft, hört sie nur das leise Knacken der vereisten Äste und irgendwo das ferne Läuten einer Kirchenglocke. Da fällt ihr ein Mann auf, der vor seinem Gartenzaun steht: Herr Schwarz. Der Name passt, denkt Emmy insgeheim, denn sein Gesicht ist so finster wie der Winterhimmel vor einem Schneesturm.

Mit verbissener Miene fegt er die gefrorenen Äste vom Gehweg. Kein Licht, keine Deko ziert sein Haus – kein Kranz, kein Stern. Nur graue Stille.

Emmy zögert, dann tritt sie entschlossen näher.
„Guten Morgen, Herr Schwarz“, sagt sie freundlich. „Ich bin auf dem Weg zu den Lindners, um bei der Suche nach dem Weihnachtsstern zu helfen. Haben Sie vielleicht etwas Verdächtiges bemerkt?“

Herr Schwarz hebt den Kopf, seine braunen Augen blitzen kurz. „Weihnachten, Weihnachten …“, brummt er und stößt den Besen mit Nachdruck in den Schnee. „So ein Wirbel um ein Stück Blech. Ich verstehe nicht, warum alle so ein Theater machen!?“

Emmy zieht den Schal fester um den Hals und hält den Blick stand. „Manchmal steckt in Dingen, die alt und unscheinbar wirken, etwas Bedeutendes“, sagt sie leise.

Herr Schwarz schnaubt nur, wendet sich ab und murmelt etwas, das sie nicht versteht. Als sie schon weitergehen will, hört sie hinter sich ein leises Klingeln. Sie dreht sich um – da, ein kleines goldenes Glöckchen rollt über den Boden, halb im Schnee vergraben.

„Sie haben etwas verloren!“, ruft sie, doch Herr Schwarz reagiert nicht. Stattdessen schiebt er das Glöckchen hastig mit dem Besen beiseite und fegt darüber, als wäre nichts geschehen.
Ein Verdacht flackert in Emmys Gedanken. Zufall? Oder mehr?

Ein seltsames Gefühl breitet sich in Emmys Brust aus. Sie bedankt sich knapp und geht weiter, aber in ihrem Kopf kreisen die Gedanken. Warum war er so ignorant? Und woher kam das Glöckchen?

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch stapft sie durch den Schnee, bis das vertraute Haus der Lindners vor ihr auftaucht – festlich geschmückt, mit Lichtern im Fenster und dem großen Baum im Vorgarten, der wie ein Wächter über alles wacht …

Du Schlingel

du scheinst dich in der Zeit vertan zu haben. Sieh nochmal in den Kalender und komm später wieder.