Ein zarter Winterwind weht durch das Dorf, trägt den Duft von Rauch aus den
Schornsteinen mit sich und lässt die kahlen Äste der Bäume leise knarren. Emmy stapft
nach der Schule mit hungrigem Bauch nach Hause, als ihr am Rande des Dorfes etwas
auffällt: ein kleiner Antiquitätenladen, den sie bisher noch nie bemerkt hat. Zwischen den
verschneiten Häusern wirkt er fast verborgen, als hätte er nur auf den richtigen Augenblick
gewartet, entdeckt zu werden.
Vor der Tür sind liebevoll alte Weihnachtsdekorationen ausgestellt – funkelnde Anhänger,
handgeschnitzte Engel und nostalgische Krippenfiguren, die im matten Winterlicht
geheimnisvoll schimmern. Emmy bleibt stehen, staunt über die Schönheit der Stücke und
spürt, wie ihr detektivisches Herz schneller schlägt. Könnte es sein, dass jemand versucht
hat, den verschwundenen Weihnachtsstern hier zu verkaufen? Vielleicht Herr Schwarz, der
griesgrämige Nachbar? Oder gar der fremde Mann, den sie beim Keksfest gesehen hat?
Der Gedanke lässt sie nicht los.
Ein kleines Schild an der Tür, geschmückt mit einer Messingglocke, verrät: „Weitere
Weihnachtsartikel auf Anfrage.“ Öffnungszeiten sind keine angegeben. Emmy überlegt
nicht lange. Mit leicht zitternden Fingern tippt sie gegen die Tür, doch als keine Antwort
kommt, betätigt sie die kleine Glocke. Ihr heller Ton trägt sich durch das stille Dorf – fast
wie ein feiner Zauber.
Nach einem Moment öffnet sich die knarrende Tür langsam. Eine ältere Dame erscheint,
ihr Gesicht freundlich, aber auch ein wenig misstrauisch.
„Guten Tag, mein Kind“, sagt sie mit ruhiger Stimme.
„Hallo“, erwidert Emmy höflich. „Ich habe gesehen, dass Sie viele Weihnachtsdekorationen
anbieten. Ich suche nach einem ganz besonderen Stück – einem Weihnachtsstern, der vor
ein paar Tagen bei uns verschwunden ist. Haben Sie vielleicht so etwas hier?“
Die Dame runzelt überrascht die Stirn und schüttelt den Kopf. „Oh, das tut mir leid. Nein,
ein solcher Stern ist mir nicht begegnet. Ich habe viele antike Dinge hier – Engel, Kugeln,
Krippenfiguren … aber an einen Weihnachtsstern kann ich mich nicht erinnern.“
Enttäuschung mischt sich in Emmys Herz, doch sie tritt einen Schritt in den Laden hinein.
Der Raum riecht nach Tannennadeln und altem Holz, überall stehen kleine Schätze
vergangener Zeiten. Sie betrachtet zarte Glaskugeln, kunstvoll geschnitzte Holzengel und
vergilbte Weihnachtskarten. Schön – aber kein Hinweis auf den verlorenen Stern.
Schließlich bedankt sich Emmy höflich und verlässt den Laden wieder. Draußen ist die
Winterluft frisch und klar, der Schnee glitzert unter ihren Tritten. Mit einem letzten Blick
auf die alte Holztür macht sie sich auf den Heimweg. Der geheimnisvolle Laden bleibt ihr
im Gedächtnis – auch wenn sie heute keine Spur gefunden hat, ahnt sie, dass sie ihn nicht
vergessen sollte.
Vielleicht verbirgt sich dort doch mehr, als die freundliche Dame preisgegeben hat.