Tag 11

 

Die Erkundung um das Lindner-Haus

Der Nachmittag liegt still über dem Dorf, das goldene Winterlicht schimmert auf den verschneiten Dächern und aus den Kaminen steigt träge der Rauch in die klare Luft. Emmy und Sophie können den Unterricht kaum abwarten – denn heute wollen sie endlich der geheimnisvollen Spur am Lindner-Haus nachgehen.

Am späten Nachmittag ist es soweit: Die beiden stehen mit ein paar Freunden vor dem Grundstück. Die alten Spuren vom Vortag sind fast verweht, doch gerade noch sichtbar – wie leise Reste eines Geheimnisses, das sich nicht ganz verbergen will.

„Wir teilen uns auf“, schlägt Emmy entschlossen vor. „Jeder schaut in einer anderen Ecke. Irgendwo muss es doch etwas geben.“

Mit pochenden Herzen beginnen sie zu suchen. Sie durchstreifen den Garten, spähen hinter Büsche, werfen neugierige Blicke in Schuppen und auf Holzstapel. Der Schnee knirscht leise unter ihren Stiefeln und jeder Schatten wirkt plötzlich verdächtig.

„Hier!“, ruft Sophie plötzlich und zeigt auf eine kleine Vertiefung im Schnee. Darin steckt ein silbrig glänzender Faden – kaum länger als ein halbes Streichholz. Emmy hebt ihn vorsichtig auf. Für einen Moment spüren alle, dass sie einer wichtigen Spur ganz nah gekommen sind.

Doch je aufgeregter sie werden, desto lauter hallen ihre Stimmen über das Grundstück. Und plötzlich steht Herr Schwarz am Zaun – wie aus dem Nichts. Die Stirn gerunzelt, die Arme fest verschränkt.

„Was soll der ganze Lärm?“ donnert seine Stimme über den Hof. „Ihr stört die Ruhe! Geht woanders spielen – ich dulde keinen Krach hier!“
Die Kinder zucken zusammen. Emmy tritt einen Schritt vor. „Es tut uns leid, Herr Schwarz. Wir wollten nur nach dem Weihnachtsstern such…“

„Dann sucht woanders!“ schneidet er ihr das Wort ab. Mit einer Handbewegung weist er sie ab, als wolle er jede weitere Erklärung im Keim ersticken. Widerwillig ziehen sich die Kinder leise zurück. Emmy dreht sich beim Gehen noch einmal um, ihre Augen treffen den mürrischen Blick des Nachbarn. Den silbernen Faden hatte sie eingesteckt, der sicher in ihrer Jackentasche liegt.

Ein leiser Verdacht regt sich in ihr. „Er verhält sich wirklich seltsam“, flüstert sie zu Sophie, als sie außer Hörweite sind. „Fast so, als wolle er uns unbedingt fernhalten.“ Sophie nickt ernst. „Ja. Ich glaube auch, dass er etwas zu verbergen hat.“

Nach und nach verabschieden sich ihre Freunde, einer nach dem anderen, bis nur noch Emmy übrig ist. Sie will gerade nach Hause gehen, doch da …

Du Schlingel

du scheinst dich in der Zeit vertan zu haben. Sieh nochmal in den Kalender und komm später wieder.